Wednesday, November 05, 2008

Ende und Aufbruch


Das langersehnte Ende der Praesidentschaftswahlen in den USA ist nun endlich da - mit Erleichterung auf meiner Seite, da ich mit Hoffen und Bangen seine Kandidatur beobachtet habe.
Einen Tag nach den Wahlen fuehle ich mich in Aufbruchstimmung und hoffe fuer einen Aufbruch in eine neue Aera der amerikanischen politischen und sozialen Landschaft.
Ich hoffe, dass Obama als Praesident so regiert, wie er seinen Wahlkampf gefuehrt hat - nicht als Einzelkaempfer oder Monopol, sondern als Bewegung, die die Massen und vormals Unbeteiligten, die sich auf einmal gehoert fuehlten, nicht nur mobilisieren, sondern wirklich beteiligen kann. Ich war immer wieder beeindruckt, wie er sachlich ueber Themen reden konnte, und nicht zu Schmiertaktiken zurueckgegriffen hat.
In diesem Sinne hoffe ich, dass die Aera, in der Taktiken und Rhetoriken wie sie Sarah Palin zur Schau gestellt hat, wirklich bald zur Vergangenheit gehoeren, und Politiker wie sie keine Zukunft mehr haben. Oder bin ich da zu optimistisch in die Faehigkeit der (amerikanischen) Menschen, Polemik und Angstmacherei hinter sich zu lassen? Ich hoffe nicht.
Als Auslaenderin in diesem Land ist es auch spannend, die Reaktionen in meinem
(zugegeben demokratischen) Bekanntenkreis mitzuerleben: Was bedeutet es fuer meine schwarzen Freunde, weissen Freunde, Senioren? Geschichte wird geschrieben, niemand scheint wirklich schon zu erfassen, was es fuer dieses Land bedeutet, einen schwarzen Praesidenten zu haben, denn so etwas gab es noch nicht, so etwas wurde bis gestern Abend noch nicht zu hoffen gewagt. Die Zukunft wird zeigen, ob all die Hoffnungen, die Obama in sich verkoerpert, ihm zum Segen oder Fluch werden.
Fuer mich ist es dennoch nicht weniger signifikant - multiracial, multiethnic, nicht wirklich braun und nicht wirklich weiss, als Einwanderin in diesem Land sehe ich Obama als eine Person, die verkoerpert, was nicht nur in USA sondern global passiert: die Vermischung von Ethnizitaet, Kultur, und sozialen Einfluessen, und die Moeglichkeiten, die sich bieten, Trennung zu ueberwinden.
Darum setzte ich meine Hoffnung nicht in eine Person, sondern in das Potential zur Verstaendigung, sogar mit dem uns Fremden.

Monday, April 16, 2007

Thomas und Tragödien

Bin noch sehr geschockt von den Schlagzeilen aus Blacksburg, VA, wo an der Uni durch einen Amoklauf über 30 Menschen getötet wurden. Unfassbar, unbegreiflich, so viele Fragen nach dem Warum, Verwirrung und Trauer. Der Hunger nach menschlicher Gerechtigkeit in mir ist verärgert: Der Täter selbst ist ums Leben gekommen, und somit auf dieser Erde nicht nur einer Strafe entkommen, sondern muss sich nicht einmal mit dem von ihm verursachten Leid auseinandersetzten. Er muss keinen Hinterbliebenen in die Augen schauen. Die Motive unklar und die Sinnlosigkeit umso deutlicher.
Welche Gesellschaft bringt Situationen hervor, in denen Amok als Möglichkeit zur Abreaktion gesehen wird? Welche Gesellschaft weint bestürzt um den sinnlosen Mord an einer eigenen Universität, und schaut zu, wie der Präsident den sinnlosen Mord an Soldaten und Zivilisten in Irak mit dem voher eingeforderten Opfern desselben Krieges rechtfertigt? Darfor, Irak, Columbine, jetzt V-Tech.

Letzten Sonntag war der Predigttext über die bekannte Geschichte von Thomas, der Jesus mit eigenen Augen sehen will. Eine Geschichte, die leider vorbelastet ist mit der "Zweifler" Interpretation und "besser-glauben-ohne-zu-sehen-Moral-von-der-Geschicht". Wir leben in einer Zeit, in der Fakten und Beweise als notwendig gelten, um etwas zu glauben oder um einer Sache Gewicht zu verleihen. Und so versuchen wir Fakten und Beweise für die Auferstehung zu finden, ob nun historische oder psychologische, um unseren Glauben zu begründen.
Aber vielleicht ist das Ganze etwas an Geschichte vorbei.
Die NachfolgerInnen hatten sich eine Umwälzung des Regimes erhofft und herbeigesehnt, ein Ende der politischen und manchmal religiösen Unterdrückung. Und wenn Jesus dann König ist, und die neue Zeit anbricht, dann ist man auf der richtigen Seite und man kann wieder aufatmen und das Widerstand leisten sein lassen, denn man ist ja jetzt auf der Seite der Herrschenden. Und dann stirbt Jesus einfach. Und nichts hat sich geändert?! Und dann aufersteht er einfach. Und nichts ändert sich?! Er zeigt sich nicht den Massen oder im Tempel, sondern seinen FreundInnen. Wozu dann das Ganze? Weil mit der Auferstehung die Arbeit erst beginnt, und Nachfolge eine neue Dimension einnimmt. Und ich verstehe Thomas nur allzu gut, wenn er Jesus sehen will, um weiterzumachen in diesem neuen Königreich.

Die Verbindung? Vielleicht ist morgen doch nicht alles beim Alten, wenn ich aufstehe am Tag danach... am Tag nach der Tragödie, noch ein Tag im Krieg, im Leid. Weil der Ruf zur Auferstehung auch mir gilt. Weil ich auch heute, wie Thomas, Jesus sehen will und Jesus sehen kann dort, wo das Reich Gottes Hoffnung und Frieden bringt. Weil wir in unserer Gesellschaft Jesus, wie er in uns auferstanden ist, an der Arbeit sehen müssen.

Wednesday, January 31, 2007

Zukunft und Hoffnung

Nachdem ich mir in den letzten Wochen (zuviele?) Gedanken über das Boese in der Welt und im Menschen gemacht habe, habe ich mir dann doch nochmal etwas von Jürgen Moltmann's "Theologie der Hoffnung" zu Gemüte geführt. Die Hoffnung für die Menschheit und alle Schoepfung ist nicht nur auf Christus gegründet sondern auch auf ihn gerichtet. Mit der Auferstehung hat eine neue Wirklichkeit begonnen, Versoehnung Gottes mit der Menschheit ist eingeleitet und wird vollendet werden.
Es ist gut, mich manchmal daran zu erinnern, worauf alles hinweist, und worauf ich aktiv hinarbeiten
will.
Auch und gerade wenn vor meinen Augen neues Leben auftaucht: Herzlich Willkommen in dieser Welt, Finn!

Thursday, January 18, 2007

Menschen: Gut oder Böse?

In den Schlagzeilen diese Tage lese ich über Entführungen, grausige Morde, eskalierende Kriege und mich schaudert es oft vor dem, was wir Menschen anrichten können.
Habe auch endlich S.J.Bartlett: "Die Pathologie des Menschen", das sich mit dem menschlichen Bösen auseinandersetzt, fertiggelesen. Dazu später vielleicht noch mehr.

In dem, was man so in der Literatur lesen kann, kommt es immer auf die Grundannahme über den Menschen an - ist der Mensch von Natur aus gut oder böse?


Eine Geschichte der Cherokee illustriert hier, mit einer anderen Sichtweise:
"Ein Aeltester lehrte seine Enkel über das Leben. Er sagte zu ihnen: Es herrscht ein Kampf in mir... ein furchtbarer Kampf. Ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der Name des einen Wolfes steht für Angst, Aerger, Neid, Arroganz, Selbstmitleid, Missgunst, Lüge, falschen Stolz und Egoismus. Der Name des anderen Wolfes steht für Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Teilen, Demut, Freundschaft, Empathie, Gelassenheit, Mitgefühl, Grosszügigkeit, Wahrheit und Glaube.
Derselbe Kampf geht in jedem von euch vor, und in jeder Person, der ihr begegnet.
Die Kinder dachten darüber nach und fragten: Welcher Wolf wird gewinnen?
Der alte Cherokee antwortete: Der, den ihr speist."

Wednesday, January 17, 2007

Stuff happens

found this on father jake's blog, just the kind of smile i needed today (c:

Stuff Happens

Stuff happens. What do the world’s religions have to say about this vexing existential problem?

Taoism: Stuff happens. Who gives a stuff?
Hinduism: This stuff has happened before and will happen again.
Buddhism: The stuff that happens doesn’t really.
Zen: What is the sound of stuff happening?
Islam: The stuff that will happen will happen.
Judaism: Lord, why is this stuff happening to me?
Evangelicalism: Jesus, we praise you and just wanna ask why this stuff isn’t happening to someone else?
Catholicism: Stuff happens because you deserve it.
Open Theism: Stuff happens to God too.
Pentecostalism: Tuffs appensh.
Anglo-Catholicism: Verily, verily, stuff happeneth.
Atheism: Stuff happens. Then you die. No more stuff.
Rastafarianism: Let’s smoke the stuff.
Hare Krishna: "Stuff" happens! "Stuff" happens! "Stuff" happens! "Stuff" happens! . .
Jehovah's Witnesses: Let us in and we'll tell you why stuff happens.
Quakers: Quietly praise God for the blessings that stuff brings.
Calvinists: Stuff won't happen to you if you work hard enough.
Christian Scientists: Agree that there is no stuff.
Televangelists: Stuff won't happen to you if you send in your love offering.

for us Mennonites:
No matter what stuff happens, we will not resist, even if it kills us. Peace onto stuff.


Wednesday, January 03, 2007

Zeit

Habe vor Weihnachten 30 Stunden im Auto verbracht - Denver, CO versank ja im Schnee, und um ein Paar trotz abgesagtem Flug rechtzeitig vor Weihnachten zusammenzuführen, haben wir uns also per Auto vom Flughafen direkt auf den Weg gemacht. 3000 Kilometer später waren sie glücklich vereint und wir wieder müde in Virginia.
"Zeit hat man nicht, die macht man!" - hat meine Oma immer gesagt. Und so habe ich zum ersten Mal seit langem wieder einen Neujahrs-Vorsatz gefasst:
Langsam machen, Zeit machen.

Life is given to us,
we earn it by giving it.

The butterfly counts not months but moments,
and has time enough.

(Tagore)

Friday, December 08, 2006

Purity

A quote from very good and intense conversation with a friend won't leave my thoughts this week. As we were talking about our different relationships and heartbreaks, and I was wondering what it would be like to have dated other people, she quickly said: "oh no, my dad always said - the best gift you can give is your purity."
But what does that mean? In a heterosexual moral world, I suppose it is all defined by "the act", and if you save that specific act for the time after your wedding vows, you can consider yourself pure = virgin. Also, using the word "purity" sure leaves everything that isn't pure not just blemished, but plain old dirty and disgusting. But once you take a step back and say - what a minute, there is so much that can happen without involving "the act", so where do we draw the line - actions, thoughts? Welcome to a world of dirty and disgusting folks.
I guess that's where grace kicks in, and God being bigger than our own hearts and minds.
But I am still hung up on that purity concept.
Maybe the gift of purity that one can give to another, is the gift of sole intentions, to have your heart and mind set on just / purely one person. In that sense, we would give each other purity of heart - which might never be 100%, as we are humans, but which is a much greater gift as it requires constant dedication and work on myself. So we give the other the gift of our own self in progress toward purity. So maybe purity can never be achieved, but always strived for.
Welcome to a world of sinners who find grace.